Parkinsongruppe
Bad Mergentheim
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Gestern hat mir Sir James einen bösen Streich gespielt:

Fünf Mitglieder unserer dPV - Regionalgruppe, sowie unsere Gymnastiktherapeutin waren einer Einladung des SWR 4 - Radios gefolgt, auf der Tauberfranken - Ausstellung in Bad Mergentheim in Interviews über die Parkinson-Krankheit und unsere Gruppenarbeit zu informieren.

Das Interview dauerte etwa 15 Minuten, und wir stellten unser Funktionstraining und unsere Mal-Therapiegruppe und einige ihrer Bilder vor.

Da ich nicht mehr Auto fahren kann, war ich mit dem Bus gekommen und hatte auch vor, mit dem Bus wieder heimzufahren. Als ich eine zur Bushaltestelle führende Treppe heraufkam, fuhr der Bus gerade die Haltestelle an. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass der nächste Bus erst wieder in einer Stunde fuhr, wollte ich wenigstens so weit rennen, bis der Busfahrer mich im Rückspiegel sehen konnte. - Er sah mich auch, aber er sah mich in voller Größe auf die Straße stürzen. Irgend eine leichte Unebenheit auf der Straße hatte mich stolpern lassen, und ich konnte mich nicht mehr abfangen, ich fiel voll auf die Fresse

Was mir in diesen Sekundenbruchteilen für Gedanken durch den Kopf schossen, lässt sich nicht beschreiben: von „na toll, das ist deine Parkisturz-Premiere, die du so gefürchtet hast“ über

„jetzt ist es soweit; du bist als Parki schon ein Krüppel, nun lass dich auch körperlich zum Krüppel fahren, bleib liegen“, bis zum verzweifelten Aufbäumen: „steh auf, bevor ein Auto dich noch ganz über den Haufen fährt, du kannst es, steh auf!“ Und ich stand auf, humpelte zum Bus und bat den Fahrer, die Sani zu rufen, was er aber bereits getan hatte. Auf seine Frage, ob er mich hier an der Haltestelle allein lassen könnte, sagte ich ihm, ja, er könne seine Fahrt fortsetzen.

Als der Bus weg war, setzte ich mich auf eine Bank und betrachtete mich: Ich blutete wie ein Schwein, eine Folge der langjährigen Einnahme von Blutverdünnern. Meine rechte Gesichtshälfte war von der Schläfe bis zum Backenknochen aufgeschürft und wurde später im Krankenhaus mit fünf Stichen genäht. Meine Brille war nur noch. ein verbogenes Drahtgestell, glücklicherweise waren die Gläser ganz geblieben, sonst hätte ich mir womöglich noch Augenverletzungen zugezogen. Mein rechter kleiner Finger stand in einem unmöglichen Winkel von der Hand ab, das untere Gelenk war aufgerissen und blutete ebenfalls stark. Ich versuchte mit Hilfe von Papiertaschentüchern mich zu säubern, ein hoffnungsloses Unterfangen.

Etwa 15 Minuten saß ich au dieser Bank, bis die Sanitäter kamen. In diesen 15 Minuten fuhren mindestens 6 oder 7 Fahrzeuge vorbei, sahen mich blutverschmiert auf der Bank sitzen, aber keiner blieb stehen, um mir Hilfe anzubieten.! - Armes Deutschland!

Die Sanitäter verbanden mich provisorisch und brachten mich ins Krankenhaus. In der Unfallaufnahme betrachtete eine Ärztin meine Verletzungen. Die Risswunde an der Rechten Schläfe hätten sie gleich hier nähen können, aber mit meinem kleinen Finger müßte ich ins OP.

Mittlerweile durfte ich auch meine Frau anrufen, die in heller Aufregung herkam, wir wohnen nur 5 Minuten vom Krankenhaus. Dann kam der Oberarzt, sein es Zeichens Handchirurg, besah sich meinen Finger und entschied: Keine OP, das machen wir hier in der Aufnahme. Als die Ärztin ihn fragte, wie, da machte er zu ihr eine Handbewegung, die ich nicht gleich deuten konnte, die ich aber im nächsten Moment schmerzhaft zu spüren bekam: Nach dem Kommando „Tief einatmen, Luft anhalten, Zähne zusammenbeißen!“ durchfuhr mich ein rasender Schmerz, und schon war es vorbei: „weiter atmen!“ Er hatte den ausgekugelten Finger auseinandergezogen und wieder ins Gelenk zurückgesetzt.. Ich hätte ihn erschlagen können!

Dann, nach eingeleiteter Lokalanästhesie wurde die abgerissene Sehne wieder zusammengenäht und die offene Wunde mit mehreren Stichen geschlossen. Damit war die Arbeit des Herrn Oberarztes getan, die Assistenzärztin durfte meine Gesichtsverletzung nähen. Fünf Stiche.

Nachdem ich aber auf den Kopf gefallen war und eine Gehirnerschütterung nicht ausgeschlossen werden konnte, musste ich 24 Stunden im Krankenhaus bleiben und meine Frau allein den Heimweg antreten.

Für den Sturz verantwortlich mache ich meinen ständigen Begleiter James. Als gesunder Mensch hätte ich mein Stolpern noch gut abfangen können, oder wäre vielleicht gar nicht gestolpert..

Die Befürchtung einer Gehirnerschütterung bewahrheitete sich nicht, der Nachtpfleger kam in regelmäßigen Abständen und prüfte mit einer Lampe meine Pupillenreflexe. Als ich aber am nächsten Morgen nicht fähig war, mich deutlich zu artikulieren und meine Sprache leicht verwaschen war, wurde noch eine CT angeordnet, die ergab, dass sowohl mein rechtes Schläfenbein verschiedene kleine Risse hatte, als auch mein Nasenbein angebrochen war. Hier bestehe aber kein Handlungsbedarf, das würde von selbst heilen, war die Aussage der Ärzte. Nach kurzer Zeit konnte ich auch wieder normal sprechen und durfte nach dem Mittagessen das Krankenhaus verlassen.

Zu Hause bin ich allerdings jetzt zur Untätigkeit verdammt. Ich trage eine Gipsschiene vom Ellenbogen bis zum kleinen Finger, der 6 Wochen absolut ruhig gestellt sein muss, weshalb man den Ringfinger mit eingegipst hat. Wie tappig du bist, wenn dir zwei Finger fehlen, erkennst du erst, wenn es passiert ist.

Und das alles 10 Tage vor meinem 70. Geburtstag! Das hätte ich nicht mehr gebraucht, Sir James!