Parkinsongruppe
Bad Mergentheim
Telefon Tel.: 07135/1 38 30
e-Mail karin.74336@web.de

Mein ständiger Begleiter 4
Schon lange habe ich euch nicht mehr von ihm berichtet. Er ist immer noch da. Wenn es mir auch mittlerweile gelingt, ihn weitgehend zu ignorieren, urplötzlich ist er wieder da: Sir James is watching you, und zwar lebenslang.
Aber ich lasse ihn nicht kampflos an mich heran. Ich gehe ihm entgegen und zeige ihm, was ich noch alles kann.
Nachdem ich in 2006 die Diagnose „Morbus Parkinson“erfahren hatte, war meine erste Aktion, mich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, ich kam zur dPV, deutsche Parkinson Vereinigung. Die Regionalgruppe Bad Mergentheim ist eine relativ kleine Gruppe, deren wichtigste Aktivität das wöchentliche „Funktionstraining“ unter der Anleitung einer Physiotherapeutin ist. Wir bewegen uns auf die unterschiedlichste Weise, um all den verschiedenen Symptomen entgegen zu wirken, die ich euch in der ersten Folge meiner Geschichte beschrieben habe. Ich kann euch versichern, wir haben viel Spaß dabei. Ganz wichtig sind z. B. die Mimikübungen, auch als Gesichtsgymnastik bezeichnet. In Wahrheit ist es nichts anderes als Grimassen schneiden. Reihum schlägt jeder eine Übung vor, und dann sitzen wir im Kreis, verziehen das Gesicht, dass ein Fremder, der zu uns hereinschaut, uns allesamt für gaga hält.
Der Leiter unserer Gruppe, ein pensionierter evangelischer Pfarrer, muss nun leider die Leitung abgeben, sein fortgeschrittenes Krankheitsbild zwingt ihn in den Rollstuhl, er kann nicht mehr laufen und hat sich zu allem Überfluss jetzt auch noch einen Krebs eingefangen. Das ist die Krux bei uns, an Parkinson stirbt man nicht, aber er schwächt uns so, dass wir uns irgendwann noch ein anderes Übel einfangen, einen Krebs, oder eine Lungenentzündung, das uns dann den Rest gibt.
Die Leitung der Gruppe blieb schließlich an mir hängen, weil ich einen Sprachfehler habe: ich kann nicht „Nein“ sagen. Nun habe ich mir einen Haufen Arbeit eingehandelt, die ich aber, das schwöre ich, zu gleichen Teilen auch an meine Stellvertreter delegieren werde. Ich muss nur erst den vollen Durchblick haben, damit ich die Zügel in der Hand behalte, dann wird delegiert.
Pläne für die verschiedensten Unternehmungen und Veranstaltungen gibt es genug, sie müssen nur noch in Termine gegossen und realisiert werden.
Ihr seht, ich bin voll ausgelastet. Aber ich bleibe euch erhalten. Versprochen.